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Unkrautbekämpfung 

Unkrautbekämpfungszug der Firma Spiess-Urania Chemicals GmbH, gezogen von einer V 100 der DB Netz Instandhaltung.
Fotos (2): Halbe, 28.6.2018, dl

Unkräuter und andere Pflanzen bilden ein Sicherheitsrisiko für den Bahnverkehr, weshalb eine Pflanzenkontrolle im Gleisbett notwendig ist. Hierfür gibt es spezielle Züge zur Unkrautbekämpfung.

     Das Schotterbett hat unter anderem die Aufgabe, die von Zügen verursachten und auf das Gleis wirkenden Kräfte abzufedern. Das wird durch die zahlreichen Hohlräume zwischen den kantigen Schottersteinen erreicht. Werden diese Hohlräume verstopft, kann die Sicherheit der Züge gefährdet sein. Wurzeln von Pflanzen und auch abgestorbene Pflanzenteile zählen zu den Verursachern von Hohlraumversiegelungen. Deshalb werden Herbizide als Unkrautbekämpfungsmittel gespritzt, um einer Verstopfung vorzubeugen. Die Hohlräume dienen auch dem besseren Abfluss von Regenwasser. Hat sich Feuchtigkeit gesammelt, wird der Pflanzenwuchs begünstigt, können Holzschwellen schneller faulen und es können sogar elektrische Signalanlagen beeinflusst werden. Im Winter kann die Feuchtigkeit zu Frostaufbrüchen und Gleisaufhebungen führen.

     Für die Anwendung von Herbiziden auf Gleisanlagen gibt es spezielle Prüf- und Zulassungsverfahren. Voraussetzung für jede Zulassung ist u. a., dass die Mittel keine schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Grundwasser haben, insbesondere auch nicht auf den Naturhaushalt. Außerdem muss eine zuverlässige Bestimmung von Rückständen möglich sein. Zum Ausbringen von Herbiziden auf Gleisanlagen ist zusätzlich eine Ausnahmegenehmigung erforderlich, die von der Bahn jährlich beantragt werden muss. Eine exakte Dosierung und präzise Ausbringung der Herbizide sorgt dafür, dass angrenzende Wiesen, Felder, Böschungen und Dämme nicht mit den Herbiziden in Berührung kommen. Auch mit einer Grundwassergefährdung ist bei sachgerechter Anwendung zu rechnen. Die Einhaltung der bestehenden Qualitäts- und Umweltschutzstandards werden vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) überprüft, das auch jederzeit unangekündigt die Spritzarbeiten der Fachfirmen kontrollieren kann.

     Zwischenn 1990 und 2002 wurden zahlreiche physikalische Verfahren als Alternative zur chemischen Unkrautbekämpfung erprobt: Flüssigstickstoff, Mikrowellen, Hochfrequenzenergie, Infrarotstrahlung, Heißdampf und ein Saugrechenverfahren. Alle diese Möglichkeiten waren deutlich langsamer und weniger wirksam als die Anwendung von Herbiziden. Eine weitere Methode wäre das Abflämmen: Hier treffen je nach Wuchshöhe Temperaturen von 100 bis 1.000ºC auf die Pflanzen. Die gestressten Pflanzen reagieren unterirdisch mit verstärkter Wurzelbildung und oberirdisch mit einem kriechenden Wuchs. Im Boden ruhende Samen bleiben beim Abflämmen im Gegensatz zur Herbizid-Behandlung keimfähig. Pro Saison wären vier bis zehn Durchgänge nötig, mit einem Verbrauch bis zu 1.000 Liter Gas je Gleiskilometer. Die Arbeitswagen können mit nur maximal zwei km/h „kriechen“ – mit entsprechenden Behinderungen für den nachfolgenden Schienenverkehr.

     In den Bereichen außerhalb des Schotterbetts und angrenzende Randbereiche wie Böschungen, Wege, Bahnsteige und Flächen für die Stromversorgung setzt die Bahn auf herbizidfreie Verfahren.

    Quelle:
  • Industrieverband Agrar, IVA-Magazin "Unkraut – ein Sicherheitsrisiko im Gleisbett der Bahn", 15.11.2007



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