>  Register   >  S  

Stirnkippanlage 

Stirnkippanlage im Hafen Königs Wusterhausen, hier beim Entladevorgang des Eas 073, Wagen 542 0 456.
Foto: 10.5.2007, dl

Ein Merkmal der Wagen mit dem Gattungsbuchstaben E (offene Wagen in Regelbauart) ist ihre Stirnkippfähigkeit. Der Entladevorgang kann z.B. über eine Stirnkippanlage geschehen.

    Zwei Stirnkippanlagen stehen im Hafen Königs Wusterhausen, im Bundesland Brandenburg. Die 1986/87 gebauten Anlagen werden von der LUTRA (Lager, Umschlag, Transport Mittelbrandenburgische Hafengesellschaft mbH) betrieben. Hier wird Kohle von Güterwagen in Schiffe umgeladen.

    Über ein Zuführungsgleis werden die entkuppelten Güterwagen bereitgestellt. Eine Spillanlage mit Mittelwagen befördert jeweils eine 7er-Gruppe in Richtung Stirnkippanlage. Die Zufahrt ist mit einer Gleissperre gesichert, außerdem wird der erste Wagen mit einer Balkenbremse festgelegt.
Bei freier Zufahrt wird die Gleissperre abgelegt, die Balkenbremse gelöst und die Wagengruppe durch die Spillanlage vorwärts bewegt. Durch ein leichtes Gefälle rollt der Wagen in die Stirnkippanlage (siehe Abb. 2) und läuft auf einen in Pufferhöhe befindlichen Bremsbalken auf. Die durch den beladenen Wagen entstandene Bremsenergie verdichtet den Inhalt dreier Stickstoffbomben und wird gespeichert. Der Gleisschlitten wird mit dem Wagen hydraulisch um 10 Grad geneigt, der Dosierbalken wird an die Stirnwandklappe angesetzt und die Klappe per Hand entriegelt (siehe Abb. 4).
Der Wagen kann nun bis zu 60 Grad gekippt werden siehe (Abb. 6). Über den Dosierbalken kann die Stirnwandklappe und somit die Austrittsmenge geregelt werden (siehe Abb. 11). Außerdem kann der Gleisschlitten waagerecht verfahren werden, um eine punktgenaue Beladung der Schiffe vorzunehmen. Ist der Wagen geleert, wird er in die Waagerechte zurückgebracht und die Strinklappe wieder per Hand verriegelt. Der Gleisschlitten wird ähnlich einer Segment-Drehscheibe zum Rückführungsgleis geschwenkt (siehe Abb. 8).
Der leere Wagen wird jetzt auf das Rückführungsgleis "gestoßen". Hierzu wird die zuvor gespeicherte Bremsenergie aus den Stickstoffbombem auf den Bremsbalken gegeben, der ihn in Bewegung setzt. Der abgestoßene Wagen passiert eine Spiralbremse und läuft über ein leichtes Gefälle, bis er auf einen bereits stehenden Wagen trifft oder per Hemmschuh gebremst wird.

    Der gesamte Entladevorgang einschließlich Zu- und Rückführung dauert 4½ Minuten pro (Eas-)Wagen, wobei in dieser Zeit bis zu 60 Tonnen Kohle umgeschlagen werden. Die Kapazität für beide Anlagen liegt pro Betriebstag bei maximal 16.000 Tonnen.


Startseite

Zurück

Register

Abkürzungen

 

 

©  dybas Stand: 05/2007